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30.10.2026

Familienzusammenführung für Geflüchtete in Österreich

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Wer in Österreich Asyl oder subsidiären Schutz erhalten hat, kann unter bestimmten Voraussetzungen seine Familie nachholen. Je nach Schutzstatus gelten unterschiedliche Fristen und Voraussetzungen. Hier erfahren Sie, wer einen Antrag stellen kann, welche Dokumente benötigt werden und wie die Familienzusammenführung in Österreich abläuft. 

Diese Seite behandelt ausschließlich die Familienzusammenführung für Personen mit internationalem Schutz. Seit Inkrafttreten des GEAS wird das Verfahren nicht mehr über § 35 AsylG geführt, sondern über § 46a NAG. Die Regeln für die Familienzusammenführung unterscheiden sich je nach Schutzstatus. Besonderes Augenmerk liegt auf den Änderungen durch das Asyl-, Migrations- und Pakt-Anpassungsgesetz (AMPAG), mit dem das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS) in Österreich umgesetzt wurde.

Ausführliche Infoblätter auf Deutsch und in anderen Sprachen sind derzeit in Arbeit.

TIPP: Für Berater:innen empfehlen wir die detaillierte Übersicht Familienzusammenführung mit Fluchtbezug - Änderungen der Rechtslage durch das AMPAG vom Österreichischen Roten Kreuz.
 

Wer kann Familienzusammenführung beantragen?


Menschen mit Flüchtlingsstatus (Asylberechtigte) dürfen ihre engsten Familienangehörigen nachholen. Der Antrag muss innerhalb von drei Monaten ab Statuszuerkennung bei der Botschaft eingelangt sein. Wird diese Frist versäumt, müssen die allgemeinen Erteilungsvoraussetzungen des Niederlassungsrechts erfüllt werden.

Subsidiär Schutzberechtigte können ihre Familie frühestens zwei Jahre nach der Zuerkennung des subsidiären Schutzes nachholen. Für sie gelten die allgemeinen Erteilungsvoraussetzungen jedenfalls.


Wer gilt als Familienangehörige:r?


Für die Familienzusammenführung gilt ein enger gesetzlicher Familienbegriff. Zur sogenannten Kernfamilie gehören:
  • Ehepartner:innen und eingetragene Partner:innen, ””
  • minderjährige ledige Kinder (einschließlich Adoptiv- und Stiefkinder),
  • Eltern minderjähriger Schutzberechtigter.
Volljährige Kinder, volljährige Geschwister oder verwaiste Geschwister fallen in der Regel nicht darunter.

Für Ehepartner:innen gilt grundsätzlich, dass die Ehe bereits vor der Einreise der Bezugsperson bestanden haben muss. Außerdem müssen beide Ehepartner:innen zum Zeitpunkt der Antragstellung mindestens 21 Jahre alt sein. Bei Mehrfachehen kann nur eine Ehepartnerin bzw. ein Ehepartner nachziehen. Wurde die Ehe erst nach der Flucht der Person geschlossen, die eine positive Entscheidung in Österreich erhalten hat, ist eine Familienzusammenführung nur für asylberechtigte Bezugspersonen möglich.

Subsidiär Schutzberechtigte Kinder müssen zum Zeitpunkt des Antrags auf Familienzusammenführung minderjährig sein. Bei asylberechtigten Kindern kann der Antrag bis zu drei Monaten nach Volljährigkeit gestellt werden. In beiden Fällen ist es egal, wenn das Kind während des Verfahrens der Familienzusammenführung volljährig wird.

Asylberechtigte können ihre Eltern auch als Volljährige nachholen, wenn sie bei Asylantragstellung minderjährig waren. Ebenso können asylberechtigte Eltern volljährige Kinder nachholen, wenn diese bei Asylantragstellung das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hatten. In beiden Fällen muss der Antrag zwingend binnen drei Monaten ab Asylbescheid gestellt werden.


Fristen, Quoten und allgemeine Erteilungsvoraussetzungen


””Für Asylberechtigte ist die Drei-Monats-Frist entscheidend. Wird der Antrag später gestellt, müssen die allgemeinen Voraussetzungen für die Erteilung von Aufenthaltstiteln erfüllt werden. Für subsidiär Schutzberechtigte gilt außerdem eine Wartefrist von zwei Jahren.

Zusätzlich gibt es pro Jahr und Bundesland nur eine begrenzte Zahl an Aufenthaltstiteln für Familienangehörige. Wenn alle Quotenplätze vergeben sind, wird die Bearbeitung des Antrags so lange aufgeschoben, bis wieder ein Quotenplatz frei ist. Spätestens drei Jahre nach Antragstellung muss der Aufenthaltstitel quotenfrei erteilt werden.

Die Quote für 2026 wurde am 30.10.2026 auf bundesweit 314 Personen festgelegt.

Die allgemeinen Erteilungsvoraussetzungen umfassen insbesondere: ausreichendes Einkommen, ortsübliche Unterkunft sowie eine Krankenversicherung.

Deutschkenntnisse vor der Einreise sind nicht erforderlich. Nach der Einreise gelten Integrationspflichten, etwa Deutsch auf Niveau A2 innerhalb von zwei Jahren.


Wie läuft das Verfahren zur Familienzusammenführung ab?


Wo und wie wird der Antrag gestellt?


Die Familienangehörigen stellen den Antrag persönlich bei der zuständigen österreichischen Botschaft. Die Botschaft nimmt den Antrag entgegen und leitet ihn an das BFA in Österreich weiter.””

Anschließend prüft das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA), ob die Antragsteller:innen zur Kernfamilie gehören und ob alle Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu können sowohl die Familienmitglieder in Österreich als auch jene, die nachziehen wollen, zum Familienleben befragt werden.

Kommt das BFA zum Ergebnis, dass alle Voraussetzungen erfüllt sind, stellt die Botschaft der Familie ein Visum zur Einreise nach Österreich aus. Die Verfahren dauern meist etliche Monate, oft auch über ein Jahr.

Während des Verfahrens gelten mehrere Fristen. Werden diese versäumt, kann das Verfahren eingestellt werden. Dazu zählen insbesondere:
  • rechtzeitige persönliche Vorsprache an der Botschaft,
  • Beantragung des Visums innerhalb von drei Monaten nach Verständigung,
  • Abholung des Aufenthaltstitels innerhalb von sechs Monaten.
Es ist wichtig, diese Fristen einzuhalten, daher sollte möglichst früh Beratung in Anspruch genommen werden! 
 

Welche Nachweise sind erforderlich?


Folgende Dokumente muss die Familie bei der österreichischen Botschaft zusammen mit dem Antrag einreichen:
  • Befragungsformular
  • Gültige Reisedokumente, in den meisten Fällen ein Pass
  • Geburtsurkunde
  • Zwei aktuelle Passfotos
  • Nachweis über die Verwandtschaft, etwa eine Heiratsurkunde
Die Person in Österreich muss vorlegen:
  • Asyl-, Verlängerungsbescheid
  • Pass, Karte
  • Meldebestätigung
  • Geburtsurkunde
Bei Versäumnis der 3-Monats-Frist für den Einreiseantrag seitens der Angehörigen von Asylberechtigten sowie bei Angehörigen von subsidiär Schutzberechtigten müssen außerdem noch vorgelegt werden:
  • Mietverträge als Nachweis, dass die Familie in Österreich eine ortsübliche Unterkunft hat
  • ein Gehaltszettel
  • der Nachweis über eine Krankenversicherung
 Ausländische Dokumente müssen in der Regel beglaubigt und ins Deutsche übersetzt werden.
Wenn wichtige Dokumente fehlen, können andere Nachweise erforderlich sein, in manchen Fällen auch DNA-Tests.

Auch traditionell oder religiös geschlossene Ehen können im Verfahren schwierig nachzuweisen sein bzw. werden unter Umständen nicht anerkannt.
 

Wie viel Einkommen ist für die Familienzusammenführung erforderlich?


Stellen Angehörige von Asylberechtigten nicht innerhalb der 3-Monats-Frist ihren Einreiseantrag oder handelt es sich um Angehörige von subsidiär Schutzberechtigten, müssen weitere Voraussetzungen erfüllt werden:
  • Kein Bezug von Mindestsicherung und regelmäßiges Einkommen abhängig von der Größe der Familie und der Höhe der Wohnungsmiete. Für ein Ehepaar sind das zurzeit (2026) 2.064,12 Euro netto, dazu kommen für jedes Kind 201,88 Euro und die Miete (abzüglich der sogenannten freien Station in Höhe von 386,43 Euro).
  • Außerdem muss der/die Schutzberechtigte nachweisen, dass die Wohnung, in der die Familie leben möchte, groß genug ist und eine Krankenversicherung besteht.


Was kostet die Familienzusammenführung?


Die Gebühren für den Antrag liegen derzeit bei € 218,– pro Person. Die Kosten für das Visum betragen € 195,- für jede Person ab 6 Jahren und € 97,- für jede Person unter 6 Jahren.

Dazu kommen noch Kosten für Dokumente einschließlich Übersetzung und Beglaubigung sowie etwaige Kosten für DNA-Tests. Auch Reisekosten, etwa um Termine bei der zuständigen Botschaft (die auch im Nachbarland liegen kann) wahrzunehmen, sind noch nicht berücksichtigt. Auch die Einreise nach Österreich muss selbst finanziert werden. Wie hoch diese Kosten sind, ist von Fall zu Fall verschieden.


Welchen Aufenthaltstitel erhalten Familienangehörige?


Nach der Einreise in Österreich können die Familienangehörigen beim BFA ihren Aufenthaltstitel „Rot-Weiß-Rot Karte plus“ abholen. Damit dürfen sie sich in Österreich aufhalten und auch arbeiten. Mit diesem Aufenthaltstitel besteht kein Anspruch auf Sozialhilfe. Die Karte muss rechtzeitig nach einem Jahr verlängert werden. Innerhalb von zwei Jahren muss außerdem Deutsch auf Niveau A2 gelernt werden.

Familienangehörige können nach der Einreise auch einen Antrag auf internationalen Schutz stellen. Gehören sie zur Kernfamilie, muss ihnen derselbe Schutzstatus gewährt werden. Für volljährige Kinder bzw. Eltern volljähriger Kinder gilt das nicht. Während des Asylverfahrens wird Grundversorgung gewährt.

Beratung ist besonders sinnvoll, wenn Fristen laufen, Dokumente fehlen oder nach der Einreise weitere Schritte unklar sind.
 


Welche Möglichkeiten haben unbegleitete Kinderflüchtlinge?


Infos über unbegleitete Kinderflüchtlinge.Für unbegleitete minderjährige Geflüchtete gelten besondere Regelungen.

Eltern von minderjährigen Asylberechtigten können grundsätzlich sofort einen Antrag bei der Botschaft stellen. Wurde der Asylantrag bereits als Minderjährige:r gestellt, bleibt der Anspruch auf Nachzug der Eltern unter bestimmten Voraussetzungen auch dann bestehen, wenn die Person während des Asylverfahrens volljährig geworden ist. Für subsidiär Schutzberechtigte gilt diese Ausnahme nicht.

Für subsidiär schutzberechtigte Kinder gilt grundsätzlich eine zweijährige Wartefrist. Das kann für Jugendliche problematisch sein, wenn sie während dieser Zeit volljährig werden.
Da die rechtlichen Voraussetzungen je nach Einzelfall unterschiedlich sein können, empfiehlt sich eine frühzeitige Beratung.


Menschenrecht auf Familie


Die Familie ist für die meisten Menschen wichtiger Rückhalt. Sie gibt Sicherheit und Stabilität – auf der Flucht ebenso wie nach der Ankunft in einem sicheren Land. Studien des UNHCR zeigen, dass geflüchtete Menschen sich schneller integrieren und leichter die Sprache lernen, wenn sie sich nicht ständig Sorgen um zurückgebliebene Angehörige machen müssen.

””Der Schutz des Familienlebens ist in zahlreichen internationalen und nationalen Rechtsquellen verankert.

Dazu gehören unter anderem:
  • die Menschenrechtsabkommen der Vereinten Nationen,
  • Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK),
  • die Europäische Sozialcharta sowie
  • die österreichische Bundesverfassung.
Sie alle verpflichten den Staat, das Familienleben zu achten und zu schützen.
Nicht alle Familien können gemeinsam fliehen. Oft erreicht zunächst nur ein Familienmitglied Sicherheit. Eine funktionierende Familienzusammenführung ermöglicht es Angehörigen, auf legalem und sicherem Weg nachzukommen, anstatt lebensgefährliche Fluchtrouten in Anspruch nehmen zu müssen.
Statistiken zu Familienzusammenführungen.


Wo gibt es Beratung und Unterstützung?


Das Österreichische Rote Kreuz unterstützt bei Fragen zur Familienzusammenführung und hilft bei der Antragstellung. Es empfiehlt sich jedenfalls einen Beratungstermin zu vereinbaren, sobald Aussicht auf Familienzusammenführung besteht:

T +43 1 589 00 – 789
fzf@roteskreuz.at
Kontakte in den einzelnen Bundesländern
 

Dieses Informationsangebot ist Teil unseres Projekts "Prävention durch Information", gefördert von:



 

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