Anis
Anis floh 2016 aus Afghanistan nach Österreich, um seiner Familie ein sicheres Leben zu ermöglichen. Doch wenige Monate nach seiner Ankunft wurde er brutal überfallen und kam aufgrund schwerster, lebensverändernder Verletzungen in ein Pflegeheim. Mit der Hilfe seiner Unterstützerin konnte er schließlich seine Familie nachholen, die ihn liebevoll pflegt.
Aufbruch ins Ungewisse
Anis (Name geändert), ein Mann in seinen Vierzigern hat sich 2016 von Afghanistan aus auf den Weg nach Österreich gemacht, um hier ein Leben in Frieden und Würde aufbauen zu können. In Afghanistan war sein Leben in Gefahr. Er wollte seine Frau und seine sieben Kinder vorerst von Europa aus unterstützen und sie dann nachholen. Es kam ganz anders.
Ein Überfall veränderte alles
Etwa 6 Monate, nachdem er seine Heimat verlassen hatte – er war zu diesem Zeitpunkt in einem Asylheim im Westen Österreichs untergebracht – wurde er auf offener Straße so schwer zusammengeschlagen, dass er seine schweren Gehirnverletzungen nur ganz knapp überlebte. Die Attacke, die zwei Personen verübt hatten, die er nicht kannte, ließ ihn halbseitig gelähmt und geistig schwerst behindert zurück. Ich übernahm die Erwachsenenvertretung für ihn, weil ich ihn über meine Kontakte zur Community kannte und als liebenswerten Menschen schätzte.
Er kam in ein Pflegeheim und wusste zwar noch, dass er eine Gattin und sieben Kinder hatte, aber er konnte nicht mehr einordnen, wo er war und warum seine Familie nicht bei ihm war. Immer, wenn wir ihn im Pflegeheim besuchten, riefen wir seine Familie an und er konnte mit ihnen reden. Er weinte jedes Mal herzzerreißend.
Sobald gesichert war, dass er seine schweren Verletzungen überlebt, habe ich mich darum bemüht, sein Asylverfahren zu beschleunigen. Das ist – vermutlich auch angesichts der tragischen Umstände – relativ schnell gelungen.
Wiedersehen nach dem Schicksalsschlag
Danach leitete ich in Kooperation mit dem Roten Kreuz die Familienzusammenführung ein, was bei den vielen Familienmitgliedern zu einem ziemlichen Papierkrieg ausartete. Etwa eineinhalb Jahre nach der Tat war es dann so weit. Die Familie reiste von Afghanistan nach Wien und besuchte ihn im Pflegeheim. Zwar überwog bei Anis, seiner Gattin und den Kindern die Freude über das Wiedersehen, aber diese war eindeutig getrübt wegen des furchtbaren gesundheitlichen Zustands von Anis. Sie wussten zwar bereits von den Telefonaten, dass der Gatte und Vater, von dem sie sich in Afghanistan verabschiedet hatten, sich ziemlich verändert hat, aber das physische Treffen führte das noch viel schmerzvoller vor Augen. Nachdem das Asylverfahren der Familienangehörigen abgeschlossen war, fand ich eine Bleibe für sie und Anis und unterstützte sie in allen Belangen. Mittlerweile hat die älteste Tochter ihre Lehre abgeschlossen, ein Sohn schließt bald das erste Lehrjahr ab, drei Kinder machen den Hauptschulabschluss nach und zwei Kinder sind noch im Pflichtschulalter.
Anis wird liebevoll zuhause gepflegt. Er weiß zwar immer noch nicht, wo er ist, aber zumindest ist jetzt seine Familie bei ihm.









