UNTERBRINGUNG UND SCHULE
UNTERBRINGUNG

Bis zum Jahr 2004 hatte der überwiegende Teil der UMF bestenfalls einen Platz zum Schlafen. Gesundheitsversorgung, Sprachkurse oder pädagogische Betreuung waren die Ausnahme. Mit Einführung der Grundversorgung gab es erstmals ein klares Bekenntnis der Verantwortungsträger auf Bundes- und Landesebene, für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge speziell betreute Unterbringungsplätze bereitzustellen. Im Jahr 2005 gelang es allen neu ankommenden UMF solche Betreuungsplätze anzubieten.

Fehlende Ressourcen

2015 bzw. 2016 wurden zwar die Höchsttagsätze für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge angehoben, maßgeblich allerdings nur die dritte Tagsatzkategorie von € 77,- auf € 95,-. Die anderen beiden Kategorien wurden nur um jeweils € 1,5 angehoben. Problematisch ist weiters, dass nur wenige Bundesländer den Höchstsatz auszahlen wollen. Und selbst bei voller Auslastung können die Einrichtungen nicht (mehr) kostendeckend betrieben werden. Massive Teuerungen in allen Lebensbereichen erfordern eine rasche weitere Tagsatzanpassung.

Die Standards sowie die Tagsätze in der Betreuung von UMF sind nach wie vor weit unter den in der Jugendwohlfahrt üblichen.

Kontaktadressen der in der Arbeitsgruppe “UMF-Betreuungsstellen” zusammengeschlossenen Einrichtungen

BILDUNG

Schulpflicht

UMF besuchen die gleichen Schulen wie Kinder von ÖsterreicherInnen oder MigrantInnen. Dem Recht auf Schulbildung für AsylwerberInnen im schulpflichtigen Alter wird in Österreich grundsätzlich entsprochen.

Bildungssituation nach der Pflichtschule

Nach Beendigung der Pflichtschule können österreichische Jugendliche weiterführende Schulen besuchen, die Schulkarriere beenden, um als ungelernte ArbeiterInnen direkt ins Berufsleben einzusteigen oder eine Lehrausbildung beginnen.

Die Möglichkeit eines direkten Berufseinstiegs ist für unbegleitete minderjährige AsylwerberInnen in der Praxis nicht gegeben. Das Ausländerbeschäftigungsgesetz verbietet ihnen zwar nicht grundsätzlich eine Beschäftigungsaufnahme, allerdings ist per Erlass des Wirtschaftsministers festgelegt, dass Beschäftigungsbewilligungen für AsylwerberInnen nur in den Bereichen der Ernte- und Saisonarbeit erteilt werden dürfen. Dies gilt sowohl für minderjährige, als auch volljährige AsylwerberInnen.

Die zweite Möglichkeit nach der Pflichtschule stellt der Beginn einer Lehrausbildung dar. Die Lehre ist eine Kombination aus schulischer und betrieblicher Ausbildung. Für AsylwerberInnen ist dieser Weg aber genauso versperrt wie der direkte Einstieg ins Berufsleben. Lehrstellen unterliegen dem Ausländerbeschäftigungsgesetz und sind demnach bewilligungspflichtig. Seit Juni 2012 haben minderjährige AsylwerberInnen (bzw. vollährige bis 24 Jahren) aufgrund eines Erlasses des Sozialministeriums Zugang zu Lehrplätzen in Mangelberufen. Dies ist jedoch an zahlreiche bürokratische Hürden gebunden und kann nur in wenigen Einzelfällen tatsächlich eingelöst werden.

Somit bleibt einzig die schulische Perspektive offen. Nur wenige junge AsylwerberInnen können oder wollen aber eine weiterführende Schule besuchen. Auch schulisch motivierte Jugendliche sind mit großen Hindernissen konfrontiert. Trotzdem gelingt es nicht wenigen AsylwerberInnen, in der Schule erfolgreich zu sein. Die Aufnahme in eine weiterführende Schule hängt weiters vom Ermessen der jeweiligen DirektorInnen ab.

Falls die Jugendlichen noch keinen Pflichtschulabschluss haben und nicht mehr schulpflichtig sind, hängt die Aufnahme in Schulen ebenfalls vom Ermessen der DirektorInnen ab. Einige AHS und BHS bieten Übergangsklassen an, welche Jugendliche besuchen können, die beispielsweise noch nicht ausreichend Deutschkenntnisse für den Regelunterricht besitzen. Nach einem Jahr ist dann ein Übertritt in die Regelschule bei ausreichendem Wissensstand möglich.

Eine weitere Bildungschance für UMF bietet der so genannte „Zweite Bildungsweg“. Dieser soll nicht mehr schulpflichtigen Jugendlichen und Erwachsenen das Nachholen von Schulabschlüssen ermöglichen. Prinzipiell steht dieser Weg nur jenen Personen offen, die in Österreich berufstätig sind oder waren. AsylwerberInnen wären demzufolge von dieser Möglichkeit ausgeschlossen. Schulen und Bildungsträger entscheiden sich aber immer wieder dafür, AsylwerberInnen trotzdem aufzunehmen.

Volljährig werden

Mit dem Erreichen der Volljährigkeit ändert sich die Situation für die jungen Flüchtlinge schlagartig. Die Grundversorgung zahlt in der Regel ab dem 18. Geburtstag nur noch den Tagsatz für Erwachsene, daher können es sich die UMF–Betreuungsstellen nicht leisten, die Jugendlichen noch länger zu beherbergen. Auch wenn die UMF-Betreuungsstellen die Jugendlichen auf diesen Tag vorbereiten, führt die Entlassung aus der Einrichtung immer wieder zu Schwierigkeiten für die Jugendlichen.

Besonders schwierig ist der Verselbstständigungsprozess aus Einrichtungen im ländlichen und kleinstädtischen Bereich. Hier ist es meist schon schwierig, für die Minderjährigen adäquate Bildungsangebote (z.B. Deutschkurse, Hauptschulabschlusskurse u.ä.) zu organisieren. Wenn es den betreuenden Einrichtungen trotzdem gelingt, ein gedeihliches und stützendes regionales Umfeld für die Jugendlichen aufzubauen, müssen viele Maßnahmen mit dem Erreichen der Volljährigkeit abgebrochen werden. Ein häufiger Grund dafür ist, dass die Verlegung in eine räumlich weit entfernte Einrichtung der Grundversorgung im jeweiligen Bundesland erfolgt.
 
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