Nicht nur weil es Winter wird, sondern auch aufgrund der Verabschiedung
des neuen Asylgesetztes im Parlament bläst AsylwerberInnen
in Österreich in Zukunft ein kälterer Wind entgegen.
Das Don Bosco Flüchtlingswerk Austria will mit seinem Projekt
Tobias zu einer gesellschaftlichen Klimaveränderung beitragen,
in dem es jungen Menschen die Möglichkeit gibt, einander
zu begegnen und kennen zu lernen. Dadurch fördert die Initiative
ein Klima der Toleranz und des friedlichen Miteinanders. Seit
Juni startet allwöchentlich Tobias, der Freizeitbus des
Don Bosco Flüchtlingswerkes Austria, mit Sitz in der Wiener
Pfarre Inzersdorf-Neustift, die von den Salesianern Don Boscos
betreut wird. Ziel der Fahrten sind die kleinen burgenländischen
Ortschaften Horitschon und Unterfrauenhaid. Ein Team aus 20
ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern bringt Spiel und Freude
in das Leben der rund 120 Flüchtlinge, die hier auf die
Abwicklung ihres Asylantrags warten, und das oft monatelang.
Die Initiative zum Projekt geht von Salesianerpater Bernhard
Vondrasek und Margit Pollheimer aus: „Im Rahmen einer
Studie im Vorjahr habe ich festgestellt, dass in Wien und
im Burgenland ein Bedarf für eine Betreuung von jugendlichen
Asylwerbern ist“. Als erste Reaktion auf dieses Ergebnis
wurde Tobias ins Leben gerufen. Geplant ist der Einsatz vorerst
für ein Jahr. Außerdem soll in der Pfarre Inzersdorf-Neustift
das „Flüchtlingshaus Jonatan“ seine Pforten
öffnen, wenn die Finanzierung gesichert ist. Aufnahme
werden hier Jugendliche finden, die ohne Eltern nach Österreich
gekommen sind und auf deren besondere Bedürfnisse in
den Unterkünften des Bundes nicht eingegangen werden
kann.
Kaum ist Tobias auf dem Parkplatz des Gasthofes in Horitschon
eingefahren, läuft ein Bub den Gästen vom Don Bosco
Flüchtlingswerk entgegen. Rasch holt er die Anderen,
denn die Kinder wissen, dass in den kommenden drei Stunden
Zeit für Malen, Basteln und Volleyball spielen und vieles
mehr ist. Stephanie, Christian, Tini, der Asylwerber Stanley
aus Nigeria und Margit kümmern sich liebevoll um die
Kleinen. „Ich wollte einfach etwas Sinnvolles machen
und habe mich umgehört“, erzählt die Studentin
Stephanie. Von einer Freundin hat sie vom Projekt Tobias erfahren
und gewusst, dass sie hier mitmachen wollte. Jetzt hilft sie
beim Seifenblasen pusten, holt Ölkreiden aus der großen
Spielebox und spielt eine Partie Federball mit Ali, Abas und
den anderen Kindern. Margit erklärt, dass das Team genaue
Regeln einhält, damit das Projekt Tobias funktioniert:
„Damit wir persönlich aufeinander zugehen, bekommen
alle Namensschilder. Spielsachen aus der Kiste geben nur wir
Betreuer heraus. Zur Selbstreflexion schreiben wir außerdem
immer einen Bericht über den Verlauf des Nachmittags.“
Vor allem geht es darum mit den Jugendlichen ins Gespräch
zu kommen, die oft darunter leiden, dass sie keine Arbeit
annehmen dürfen und zum Nichtstun verurteilt sind. Neben
dem Spiel mit den Kindern ist aber auch Zeit für den
Austausch mit den Eltern. Einige von ihnen konnten bereits
Deutsch-Kurse besuchen, andere lernen selber die fremde Sprache
wie Malika. Auf einem kleinen Tisch in ihrem Zimmer liegt
ein Deutsch-Arabisches Wörterbuch und handgeschriebene
Notizen. Die Irakerin spricht Englisch und kann sich deshalb
gut verständigen. Mit ihrem Mann, einem Chemiker, und
ihren drei Kindern kam sie im September des Vorjahres nach
Österreich. Gelebt hatte die Familie zuvor in Bagdad.
Malikas Mann engagierte sich jedoch in einer Organisation
gegen Saddam Hussein, außerdem ist Malika Schiitin,
ihr Mann ist Sunnite. Dadurch kam es ständig zu großer
familiären Konflikten. „Dass uns jetzt Christen
helfen ist großartig“, sagt die 30-jährige,
die über den Landweg von Bagdad nach Österreich
kam. Probleme hatten sie jedoch auch hier, obwohl Malika Österreich
sehr schätzt: „Zu Beginn musste mein Mann zwei
Monate in Schubhaft“. Jetzt ist die Familie wieder zusammen
und wohnt in zwei kleinen Zimmern mit einfacher Ausstattung.
Ein Herd ist vorhanden, ein alter Kühlschrank und ein
wenig Geschirr. Die Betten sind einfache Matratzen, die direkt
auf dem Fußboden liegen. Die bekannte arabische Gastfreundschaft
ist für Malika trotzdem selbstverständlich. Rasch
ist süßer Tee gekocht, Semmeln mit Käse werden
angeboten. Währenddessen erzählt sie über ihr
Leben als Asylwerberin: „Hier im Dorf ist es wunderbar,
die Ruhe ist sehr angenehm im Vergleich zu Bagdad. Frauen
auf dem Spielplatz grüßen mich und Herr Lazarus
hilft uns sehr“. Anton Lazarus – der Eigentümer
des Gasthofes in Horotschin – beherbergt seit über
20 Jahren Flüchtlinge. Menschen aus rund 20 Ländern
fanden bereits hier in Horitschon Aufnahme. Sein Resumee:
„Es gibt ab und an Probleme wie in jeder Familie“,
im großen und ganzen gebe es jedoch ein Auskommen sowohl
unter den Asylwerbern als auch mit der Dorfbevölkerung.
„Lazarus ist super“, meint auch Ali über
die Hilfsbereitschaft seines Gastgebers. Der 23-jährige
ehemalige Soldat der irakischen Armee möchte in Österreich
gerne in seinem gelernten Beruf als Elektrofeinmechaniker
arbeiten. Sein nächster Termin für eine Anhörung
ist im Herbst angesetzt, in Österreich ist er schon seit
Anfang des Jahres. Während der langen Zeit des Wartens
kann Ali zumindest Fußball spielen, wenn das Team vom
Don Bosco Flüchtlingswerk mit Tobias nach Horitschon
kommt.
Kontakt:
Don Bosco Flüchtlingswerk Austria - Recht auf Zukunft
für junge Menschen
Mag. Margit Pollheimer
P. Dr. Bernhard Vondrasek SDB
Don Bosco-Gasse 14
1230 Wien
Tel.: +43/1/662 84 25
Mobil: +43/664/824 36 03
E-mail: fluechtlingswerk@donbosco.at
www.donbosco.at
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